Vorwort des Arbeitskreises Jüdische Geschichte in Biebesheim
Die Aufforderung des "Fördervereins für Jüdische
Geschichte und Kultur im Kreis Groß-Gerau", die bisherigen Ergebnisse
unserer Nachforschungen zur Geschichte der Biebesheimer Juden zu einer Broschüre
zusammenzustellen, hat uns ein wenig erschreckt: Denn wir sind uns darüber im
klaren, dass unsere Kenntnisse trotz vielen Detailwissens nicht umfassend,
sondern eher zufällig sind. Gleichzeitig sahen wir uns dazu veranlasst, noch
einmal neu darüber nachzudenken, aus welchen Gründen wir uns mit dieser
Geschichte beschäftigen.
Als Angehörige einer Generation, die nach 1945 groß
geworden ist, beschäftigt uns die Frage, wieso aus einem zumindest seit der
Mitte des letzten Jahrhunderts überwiegend guten Miteinander zwischen Christen
und Juden so schnell eine Situation entstehen konnte, die die jüdischen Bürger
zunächst ausgegrenzt und dann an Leib und Leben bedroht hat. Wir wollten
wissen, wie diese jüdischen Mitbürger in der Zeit vor 1933 in unserem Ort gelebt
haben und was aus ihnen und ihren Nachkommen nach ihrer Flucht aus Deutschland
geworden ist.
Es ist uns wichtig, dass nicht vergessen wird, was in
der Zeit von 1933 bis 1945 geschehen ist. Auch wenn man das, was gewesen ist,
nicht ungeschehen machen kann und eine wirkliche „Wiedergutmachung“ nicht
möglich ist, wollten wir doch den Betroffenen wenigstens zeigen: Hier in Biebesheim
interessiert man sich für das, was getan wurde. Es tut uns leid, was geschehen
ist und wir wollen uns darum bemühen, dass es im Bewusstsein bleibt, um so dazu
beizutragen, dass sich Ähnliches nicht so leicht wiederholen kann.
Dass unsere Nachforschungen dann dazu geführt haben,
dass aus bloßen Namen für uns lebendige Menschen wurden und dass einige davon
inzwischen zu lieben Freunden geworden sind, erfüllt uns mit besonderer Freude
und Dankbarkeit.
Biebesheim, 1997/ 2002
Arbeitskreis Jüdische Geschichte:
Ilse Fehr, Volker Hain, Elfriede Marwitz (Mitglieder des Ev. Kirchenvorstands),
Ernst Standhartinger, Pfarrer